Unterwelt – Partizipative APP-Oper auf Grundlage des Orpheus-Mythos

Unterwelt – Partizipative APP-Oper auf Grundlage des Orpheus-Mythos

Nach dem Erfolg von „Culture Clash: Die Entführung“, in der gut 90 Jugendliche in einer »Rap-Oper« die Bühne des Opernhauses stürmten, soll 10 Jahre später ein ähnlich spektakuläres Projekt starten. Quasi eine Version 5.0: Denn nun heißt es »App« statt »Rap«, wenn rund 100 Jugendliche den Ur-Mythos der Musik neu interpretieren: die Geschichte von Orpheus und Eurydike.

Das Thema ist prädestiniert für ein partizipatives Bildungs- und Kulturprojekt mit Jugendlichen. Die TeilnehmerInnen setzen sich mit einem fundamentalen Mythos der europäischen Kultur sowie mit den Kunstformen Musik- und Tanztheater auseinander. Der Reichtum des Stoffes bietet genügend Anknüpfungspunkte an die Lebensrealität der Jugendlichen – unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund, von Vorkenntnissen oder Vertrautheit mit diesen spezifischen Kunstformen. Die Orpheus-Sage soll auf verschiedene Weisen „übersetzt“ und ins Heute getragen werden, damit die Jugendlichen sich inhaltlich und künstlerisch aus ihrer eigenen Perspektive mit Neugierde und lustvoll mit ihr auseinandersetzen können.

Im 21. Jahrhundert stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unseren Umgang mit dem Thema Abschied haben: Was bedeutet Abschied im 21. Jahrhundert, im digitalen Zeitalter mit all seinen Möglichkeiten? Welche neuen Formen des Erinnerns und des Austauschs ermöglichen soziale Medien und virtuelle Identitäten? Heißen sie uns in der Ära digitaler Unsterblichkeit willkommen? Welches Potential, welche Versprechungen – seien sie nun falsch oder wahr – schlummern unter den Touchscreens?

Die partizipative Produktion Unterwelt wird den Ur-Stoff der Oper mithilfe von Apps in die digitale Kultur des 21. Jahrhunderts übertragen. Denn diese Programme für Handys, Computer und Tablets bieten inzwischen nicht nur Kommunikationsmöglichkeiten, sondern sind in die Welt der Musik vorgedrungen: Hier lassen sich klassische Instrumente imitieren, neuartige Klänge produzieren und vorhandenes Bild- und Tonmaterial manipulieren. Dabei zeigt der Clash von Digitalem und Analogem, Klassischem und Zukünftigem, Oper und Performance, wie zeitlos ein Mythos wie die Orpheus-Sage von Menschen aus allen Jahrhunderten erzählt.

Die Universalität des Themas bietet die Chance, eine große Bandbreite an jugendlichen Mitwirkenden für die Produktion zu begeistern. Zudem müssen künstlerische Vorkenntnisse in den Bereichen Musik, Gesang oder Tanz nicht vorausgesetzt werden. In dieser Produktion sollen 100 Jugendliche mit den verschiedensten Bildungs- und Kultur-Hintergründen gemeinsam mit professionellen MusikerInnen (z. B. des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover) und mit SängerInnen des Ensembles der Staatsoper Hannover auf der Bühne stehen. Angeleitet werden sie in der etwa 10-monatigen Entwicklungszeit von professionellen PädagogInnen aus den Bereichen (App-)Musik, Theater und Tanz und arbeiten mit einem professionellen Leitungsteam.

Im Vordergrund wird die kreative Leistung der jugendlichen Teilnehmenden stehen – sie sollen nicht nur Ausführende, sondern bei der Themenfindung, der Entfaltung von Geschichten und Szenen sowie bei der Entwicklung von Dialogen, Choreographien und Komposition in bedeutendem Maße beteiligt sein.

Das Projekt beginnt im September 2018. Die Uraufführung wird am 29. Juni 2019 in der Staatsoper Hannover stattfinden.

 

 

Kick-off und erste Phase (September 2018 bis Oktober 2018)

Nach einem gemeinsamen Kick-Off Anfang September 2018 werden unter Anleitung von Dozenten aus dem Bereich App-Musik, Tanz und Darstellende Künste bis zu den Herbstferien in wöchentlichen Proben/Trainings Grundlagen für die spätere Arbeit gelegt.

Zweite Phase (Oktober 2018 bis Januar 2019)

Bis Ende Januar 2019 wird unter Anleitung der Dozenten weiterhin an den Grundlagen szenischen/musikalischen Darstellens gearbeitet; dabei nehmen die Jugendlichen weiterhin an Workshops/Trainingseinheiten aller Disziplinen teil, können aber nach ihren Vorlieben und Neigungen Schwerpunkte setzen.

Dritte Phase (Februar 2019 bis April 2019)

In der Phase bis zu den Osterferien 2019 werden die Jugendlichen in kleinere Gruppen eingeteilt, um mit Betreuung von Dozenten und Regie aus dem bis hierhin erarbeiteten Fundus an Material eigenständig Einzelszenen und – Geschichten zu entwickeln.

Vierte Phase (April 2019 bis Juni 2019)

In und ab den Osterferien 2019 gibt es mehrere Intensivprobenwochen/-tage. Die entwickelten Szenen werden in die übergeordnete Narration eingebunden und zu größeren, gemeinsamen Tableaus verbunden. Zum Abschluss gibt es vor der Uraufführung zwei Wochen Intensivproben sowie die theaterüblichen sogenannten »Endproben«.

Die Auseinandersetzung der TeilnehmerInnen mit den Inhalten der Produktion, mit sich selbst und mit den anderen soll gezielt soziale und kulturelle Kompetenzen der TeilnehmerInnen stärken und fördern. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten wird durch Studierende der Universität Hildesheim beobachtet und dokumentiert, so dass die TeilnehmerInnen auf eigenen Wunsch auch das Zertifikat des Kompetenznachweis Kultur der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. erwerben können.

ProjektpartnerInnen: Staatsoper Hannover, MusikZentrum Hannover und Landeshauptstadt Hannover, Bereich Kinder- und Jugendarbeit und Stadtteilkultur

Mehr Infos unter:  maike.foelling@staatstheater-hannover.de oder Telefon (0511) 9999 1082.

In Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover, kulturelle Kinder- und Jugendbildung der Stadtteilkultur

    

 

Mit freundlicher Unterstützung von