„Voll und daneben“

„Voll und daneben“

Theaterdarsteller wechseln zum Film

Die Jugendamateurtheatergruppe MAXIMAL aus dem Stadtteilzentrum KroKuS in Hannover hat ein Experiment gewagt und ist von der Bühne auf die Leinwand „umgestiegen“. Mit „Voll und daneben“ hat sie einen Kurzspielfilm (17 Min.) zum Thema Alkoholkonsum von Jugendlichen gedreht – und gewonnen, das jedenfalls zeigen die zahlreichen Reaktionen von Publikum und Presse.

Nach den letzten Bühnenproduktionen der Gruppe, in denen bereits Filmszenen Bestandteil der Stücke waren, wollten die Jugendlichen in 2014 einen Spielfilm drehen. Einige hatten geglaubt, einen Film zu machen, sei weniger aufwändig als ein Bühnenstück, aber schnell war ihnen klar, dass das nicht stimmt. Schreiben, Proben, Spielen klingt ähnlich wie im Theater, aber Dreharbeiten, Schnitt und Nachbearbeitung sind dann doch was anderes.

Das Projekt begann mit der Entwicklung eines Drehbuches auf Grundlage einer Story, die zwei Jugendliche noch in 2013  geschrieben hatten. Es geht um einen sportlichen Jungen, Nichtraucher und Wenigtrinker, der sich auf einer Party der Liebe wegen zum Saufen verführen lässt, mit bösen Folgen. Mit der ersten Scriptfassung begannen im Januar 2014 die ersten Proben (Schauspieltraining: Sonja Thöneböhn). Nach und nach vergrößerte sich das Ensemble, denn die Story machte mit der endgültigen Drehbuchfertigstellung (Beratung: Annika Scheffel) die Besetzung von 16 Rollen notwendig.

Die Dreharbeiten begannen im April 2014 und endeten mit insgesamt fünf Drehtagen Ende Juli. Der Schnitt fand in der Medienwerkstatt Linden statt und Bernd Wolter hatte ebenso wie Ana Otstavnova (Kamera bei den Partyszenen) etliche Schwierigkeiten mit den theatergewohnten Darstellern. Zum Beispiel ständig in die Kamera zu gucken, als wäre die das Publikum. Oder Texte auswendig lernen sei nicht nötig, weil alle Szenen einzeln aufgenommen werden. Weit gefehlt, und phasenweise gab es Chaos, auch wegen des permanenten Zeitdrucks oder weil immer irgendjemand oder irgendetwas gerade weg war. Schließlich hat aber alles gut geklappt, es war aufregend und spannend und die Filmfehler sieht man nur, wenn man sie sucht.

Bisher (April 2015) haben ca. 5000 Zuschauer den Film gesehen (sechs Vorführungen auf Leinwand vor meist jugendlichen Zuschauern, mehr als zehn Sendungen bei H 1 – Fernsehen aus Hannover und auf YouTube). Die Schulen der beteiligten Darsteller wollen den Film im Unterricht bzw. bei Projektenwochen zeigen. Außerdem wird er bei Jugendfilmfestivals eingereicht und wurde von mehreren Jugendberatungs- und Präventionsstellen geordert.

Die Kosten des Filmprojektes waren höher als die einer Theaterproduktion. Wir brauchten ca. dreitausend Euro mehr als sonst (hauptsächlich Honorare für Kamera und Schnitt) und haben uns gefreut, dass der Film von der Landeshauptstadt Hannover (u.a. Filmförderung des Kulturbüros, Fachbereich Jugend und Familie) und von der Brauerei Herrenhausen gefördert wurde.

Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig sein würde, die passende Musik für den Film zu finden. Hits aus dem Radio konnten wir nicht verwenden – aus Lizenzgründen.  Daher habe ich die Musikplattform „Jamendo“ ausprobiert und viele mir bis dahin  unbekannte Interpreten kennengelernt - eine tolle Erfahrung!

Johanna, 19 Jahre, FSJ Kultur

Mir persönlich hat der Dreh unseres Kurzfilmes sehr viel Spaß gemacht. Ich habe bisher nur Theater gespielt, habe aber durch den Dreh einen guten Einblick in die Filmschauspielerei bekommen. Ich hoffe in beide Richtungen weitermachen zu können.

Patrick, 15 Jahre

Ein Wochenende lang haben wir einen Einblick bekommen, wie echte Filme gedreht werden, wie viel Zeit man dafür aufwenden und wie flexibel das ganze Team sein muss. Das Ergebnis: Ein Kurzfilm mit Humor, ohne dabei belehrend zu sein.

Kiara, 16 Jahre

 

Kontakt: stadtteilzentrum-kronsberg@hannover-stadt.de

 

Thomas Backhauß, Projektleiter